Wissenschaftliche Fachbeiträge

Fachbeitrag 2013-06

Fachbeitrag

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – die Entwicklung der Naturwaldzelle "Am Sandweg", ein Eichen-Hainbuchenwald in einem FFH-Gebiet der Niederrheinischen Bucht

Michaela Dölle, Steffi Heinrichs, Wolfgang Schmidt und Uta Schulte

Zeitreihen auf Dauerbeobachtungsflächen in Naturwaldreservaten (Naturwaldzellen in NRW) sollen die Waldentwicklung ohne forstliche Eingriffe dokumentieren, um daraus u.a. auch Handlungsempfehlungen für den Waldbau und den Naturschutz abzuleiten. Wiederholungsaufnahmen der Vegetation und Verjüngung in der seit 1971 nicht mehr bewirtschafteten nordrhein-westfälischen Naturwaldzelle "Am Sandweg" , einem Eichen-Hainbuchenwald in der Niederrheinischen Bucht, zeigen im Zeitraum zwischen 1991 und 2012 einen zunehmenden Kronenschluss in der Baumschicht, während sich der Deckungsgrad der Krautschicht verringerte. Verbiss und mangelnde Lichtverfügbarkeit führen ohne Rehwild-Ausschluss zu einem Rückgang der Artenzahlen, während im Zaun trotz abnehmenden Lichtangebots die Artenzahlen in der Bodenvegetation ansteigen. In der Verjüngung dominieren Hainbuche und Winter-Linde, wobei die Hainbuche höhere Anteile im gezäunten Teil, die Linde dagegen im ungezäunten Teil der Untersuchungsfläche aufweist. Der Trauben-Eiche gelingt es trotz reichlichen Samenangebots und zahlreicher Keimlinge nicht, in die höhere Verjüngung einzuwachsen. Als wesentlicher Faktor muss das geringe Lichtangebot angenommen werden, das ein Aufwachsen des Eichenjungwuchses unterbindet. Langfristig ist mit einer Zunahme der Buche in der Naturwaldzelle zu rechnen, die trotz weniger Samenbäume sich zunehmend etabliert. Die Nutzungseinstellung in diesem ehemaligen Mittelwald wird dazu führen, dass das FFH-Schutzziel eines Eichen-Hainbuchenwaldes langfristig verfehlt wird. Dies wäre nur durch eine die Eiche fördernde Bewirtschaftungsweise zu erreichen.

Stichworte: Potentielle Natürliche Vegetation (PNV), Dauerbeobachtungsflächen, Trauben-Eiche (Quercus petraea), Sukzession, Verbiss

Between ideal and reality – dynamics of the strict forest nature reserve "Am Sandweg", a Natura 2000 oak-hornbeam-forest of the lower Rhine valley
The objective of repeated surveys on permanent plots in strict forest nature reserves is to document forest development without management in order to determine recommendations for silvicultural practice and nature conservation. Such surveys, regarding vegetation and tree regeneration, exist for the strict forest nature reserve "Am Sandweg" (lower Rhine valley, North Rhine-Westphalia), an oak-hornbeam forest unmanaged since 1971. The results show an increased canopy cover from 1991 to 2012, whereas the herb layer decreased. Deer browsing and an insufficient light supply reduced species numbers in unfenced plots, whilst fencing promoted species richness despite decreasing light availability. The tree regeneration is dominated by hornbeam and small-leaved lime, with hornbeam showing highest numbers on fenced plots, whereas lime was more abundant on unfenced plots. Although there is a good seed supply and high number of seedlings, sessile oak does not contribute to the tree regeneration within the strict forest nature reserve, due to the low light availability. Beech however, was able to establish successfully despite a low number of seed trees and is in the long-term expected to increase even more. Thus, the abandonment of forest management in this former coppice with standards counteracts the initial objective of the strict forest nature reserve to preserve the Natura 2000-relevant oak-hornbeam-forest. This can only be achieved by management practices promoting oak regeneration.

Keywords: potential natural vegetation (pnv), permanent plots, Sessile Oak (Quercus petraea), succession, deer browsing

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Fachbeitrag 2013-05

Fachbeitrag

Die Wild-Birne (Pyrus pyraster) in Deutschland – Ergebnisse einer bundesweiten Inventur

Tim Schulze, Ralf Kätzel, Jens Schröder

Die Wild-Birne (Pyrus pyraster (L.) Burgsd.) zählt in Deutschland zu den seltenen und gefährdeten Baumarten. Gründe dafür sind der Verlust geeigneter Lebensräume, die oft geringe Größe und Isolation der Vorkommen und ihre Konkurrenzschwäche gegenüber anderen Baumarten. Viele der erfassten Vorkommen weisen keine natürliche Verjüngung auf. Neben den ökologischen Ursachen besteht ein wesentlicher Gefährdungsgrund in der genetischen Hybridisierung mit Kulturbirnen. Bisher fehlte jedoch ein bundesweiter Überblick über die tatsächlich vorhandenen Populationen, ihre Gefährdungssituation und ihre genetischen Differenzierung innerhalb Deutschlands. Diese Lücken wurden durch ein dreijähriges Projekt zur bundesweiten Erfassung und Charakterisierung von Vorkommen der Wild-Birne weitgehend geschlossen. Vorort erfasst, dokumentiert und analysiert wurden in allen Bundesländern 14.136 Birnen in 221 natürlichen Vorkommen. Neben den standörtlichen Bedingungen wurden aus populationsbiologischer Sicht vor allem Daten zur Populationsgröße, zum Vitalitätszustand, zur Altersstruktur sowie zur genetischen Diversität erfasst. Regionale Verbreitungsschwerpunkte sind die mittlere Elbe in Sachsen-Anhalt, der Nordosten Brandenburgs, Heilbronn-Unterfranken sowie Mecklenburg-Vorpommern. Rund 70 % der Vorkommen weisen keine natürliche Verjüngung auf. Die In-situ-Erhaltungsfähigkeit ist bei rund 80 % aller Vorkommen als "bedroht" und nur bei 15 Vorkommen als "gut" bis "sehr gut" klassifiziert. Langfristig sollten die Verbreitungszentren mit ihren Hauptpopulationen gesichert und regelmäßig überwacht werden, mittelfristig müssen die Lücken über Biotop- und Populationsverbünde so geschlossen werden, dass ein Genaustausch möglich ist.

Stichworte: Wild-Birne, seltene Baumarten, Populationsgenetik, forstgenetische Ressourcen, in-situ-Erhaltungsfähigkeit

Wild Pear (Pyrus pyraster) in Germany - Results of a Nationwide Inventory
Wild Pear (Pyrus pyraster (L.) Burgsd.) is a rare and endangered tree species in Germany. The reasons for this include its weak competitive potential against other tree species, loss of suitable habitats, and frequent cross-breeding with the cultivated variant Pyrus communis. This study presents the results of a project that surveyed and evaluated the current status of the species in Germany on a nationwide scale to assess needs and opportunities for conservation of its genetic resources. The survey identified 14,136 Wild Pear trees in 221 natural populations distributed over all German states except for Schleswig-Holstein and the city states. Dbh data indicate a low level of natural regeneration and a tendency of senescence for most populations. Only 25 % of all trees had dbh values of less than 7 cm, more than two thirds of the populations did not show any regeneration. Mean vitality was quite high with 71 % of all trees falling into the best vitality class. Overall suitability for preservation is relatively poor with almost 80 % of all populations classified as "threatened" and only 7 % as "very good" or "good". Most populations suffer from a lack of natural regeneration due to competition by other trees and browsing by game and livestock. Focus regions for conservation measures comprise the Elbe River area in Saxony-Anhalt, the northeast of Brandenburg, Mecklenburg-West Pomerania, and the north of Baden-Württemberg and Bavaria. Preservation measures should (a) protect existing populations by reducing competition and (b) enhance habitat connection by establishing "stepping-stone" populations with plants from certified sources.

Keywords: Wild pear; rare tree species; population genetics; genetic resources; in-situ protection

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Fachbeitrag 2013-04

Fachbeitrag

Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die brandenburgischen Böden – Expertengespräche und Literaturrecherche

Robert Bartsch , Caroline Schleier, Rüdiger Schultz-Sternberg, Jürgen Ritschel 

Im Rahmen des Projektes "Brandenburg spezifische Boden-Indikatoren für ein Klimamonitoring im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) sowie Zusammenstellung von aussagefähigen Wirkungs- und Alarmschwellen" sind Kenntnisse über die spezifische Gefährdung der Brandenburger Böden zusammengestellt worden. Basierend auf den Prognosen von Gerstengarbe et al. (2003) und Zebisch et al. (2005) wird Brandenburg durch die prognostizierten Klimaveränderungen besonders betroffen sein. Diese werden sich vor allem in Veränderungen in Niederschlagsverteilungen, Niederschlagsformen und steigenden Temperaturen äußern. Besonders die Umverteilung der Niederschläge und steigende Temperaturen im Winterhalbjahr können den Wasserhaushalt des Bodens negativ beeinflussen (Linke et al., 2011). Eine Verringerung der Niederschläge im Sommerhalbjahr wird deutlich erkennbare Auswirkungen auf die bisher betriebene Landwirtschaft haben. Aufgrund der Veränderungen der Niederschlagsformen, mit zunehmenden Starkniederschlägen, ist mit häufigerem Auftreten von Bodenerosion sowie von lokalen und regionalen Hochwasserereignissen zu rechnen. Die befragten Experten betonen, dass im Boden Nutzungsänderungen voraussichtlich wesentlich stärker und schneller sichtbar werden als durch Änderungen im Klima. Dadurch kann ein negativer Einfluss der Klimaveränderungen durch frühzeitige Nutzungsanpassung kompensiert werden.

Stichworte: Boden, Klimawandel, Vulnerabilität, Bodenerosion, Bodenwasserhaushalt, Expertenbefragung

Impact of climate change on soils in Brandenburg – interviews of experts and literature research
In context of the research project "Brandenburg spezifische Boden-Indikatoren für ein Klimamonitoring im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) sowie Zusammenstellung von aussagefähigen Wirkungs- und Alarmschwellen" knowledge of specific hazards for soils in Brandenburg was collected. Based on the outlooks of Gerstengarbe et al. (2003) and Zebisch et al. (2005) Brandenburg will be particularly affected by climate change. Especially precipitation will change in annual distribution and intensity. Furthermore temperatures will raise. These change influence negatively hydrologic properties and water balance of soils. Decrease of Precipitation in spring and summer will affect farming, as practiced today. In consequence of change in precipitation intensity towards heavy rainfall events the risk of soil erosion increases, especially on fields which were uncovered for long terms in year. Experts point out that alteration in land use and farming practices affects faster and greater change in soil properties than climate effects. They emphasize that adaption of land use and farming practices towards minimizing tillage and short terms of uncovered fields will compensate climate effects on the soil and reduce risk of soil erosion.

Keywords: soil, climate change, vulnerability, erosion, soil water budget, interviews

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Diskussion zum Fachbeitrag 2013-03

Wie weit kann Kulturlandschaft wachsen?
Landschaftskommunikation als Möglichkeit zur Konfliktanalyse und -lösung am Beispiel eines Landschaftsraumes im Unterallgäu

Diplom-Biologe Jens Franke, Geschäftsführer Landschaftspflegeverband Unterallgäu e. V.

Landschaftspflegeverbände setzen sich zu je einem Drittel aus Vertretern der Kommunen, der Naturschutzorganisationen und des landwirtschaftlichen Berufsstandes zusammen. Schon allein daraus wird deutlich, dass diese Interessen­gruppen unter unserem Dach in einem ständigen Austausch stehen. Wir beraten in diesem Kreise u. a. auch regelmäßig über die Entwicklungen im Hundsmoor und darüber, was wir zur Akzeptanz­steigerung unserer Maßnahmen unternehmen. Bis 2007 gehörte auch die Gemeinde Westerheim dazu und war zu jeder Zeit an den Informationsfluss und unsere Diskussionsforen angeschlossen. Etwa zeitgleich damit, dass das Hundsmoor als FFH- und Naturschutzgebiet im Zusammenhang mit dem Hochwasserrückhalt im Günztal eine Rolle zu spielen begann, koppelte sich die Gemeinde Westerheim von unserer
Organisation ab.

Sie verlassen sich in Ihrem Ergebnis und Ihren Schlussfolgerungen und Ihren Alternativvor­schlägen sehr stark auf die Äußerung des Gemeindeoberhauptes von Westerheim. Das ist eine sehr stark vom persönlichen Empfinden und von Gemeindetaktik geprägte Einzelposition. Dem stehen von Naturschutzseite (wenn Sie uns dort hinstellen) Informationsaktivitäten gegenüber, die sich mit Dokumenten belegen lassen. Ich finde es sehr bedauerlich, dass dies nicht in die Untersuchung eingeflossen ist. Stellt man einen wissenschaftlichen Anspruch an das Ergebnis, wäre dies aus meiner Sicht zwingend zu recherchieren gewesen.

Logischerweise können Sie nicht wissen, dass ein Großteil dessen, was Sie als Alternativen vorschlagen, bereits seit Langem praktiziert wird. Auch hierzu gibt es Belege, die in dem Fach­beitrag fehlen. Ich will nicht im einzelnen darauf eingehen – das hätte man meiner Meinung nach vor der Veröffentlichung im Rahmen der Recherche tun müssen –, sondern nur als Beispiel nennen, dass regelmäßig Veranstaltungen im und ums Hundsmoor stattfinden, zu denen Gemeinde­vertreter, Kreisräte und Landwirte aus Westerheim ein­geladen werden, Veranstaltungen wie BayernTourNatur sind öffentlich und selbstverständlich wurde eigens mit Frau Bürgermeisterin Bail schon eine Führung durch das Gebiet durchgeführt. Die "multiplikative Wirkung" findet bei uns auf einem noch viel höheren Level statt. Beispielweise versprach der Abgeordnete und ehemalige Bayerische Landwirtschafts­minister Josef Miller in Anbetracht unserer Erfolge bei einer Besichtigung des Hundsmoores 2012 (zu der auch Frau Bürgermeisterin Bail geladen war und bei der der ehemalige Bürgermeister und Kreisrat und Landwirt Haisch aus Westerheim anwesend war), dass er sich für eine bedarfsgerechte Ausstattung von Naturschutzförderprogrammen einsetzen werde. Anderes Beispiel sind die Runden Tische zu den FFH-MP "Hundsmoor" und "Westliche Günz". Hier wird für alle "betroffenen gesellschaftlichen Akteure" ein Top-Diskussionsforum geboten.

Für einen Insider ist der Fachbeitrag nicht nachvollziehbar. Die auf S. 10 des Fachbeitrags unter "Auswertung der Gespräche" genannten Hintergrundinformationen zu unseren Umwelt­bildungsaktivitäten, die ja zu Lösungsfindungen in den Fach-Themenkomplexen führen sollen, wurden von uns als einem Hauptakteur in dem Gebiet nicht erhoben. Entsprechend gab es auch keine Möglichkeit, das Meinungsbild von Frau Bail durch unsere Darstellung zu relativieren. Der Fachbeitrag ist im Punkte Kommunikation unserer Umweltinformationen vollkommen einseitig und unausgewogen. Die von mir genannten Belege wären auf kommunikativem Wege zu erlangen gewesen, einfach indem man uns gefragt hätte. Nun auf einer solchen, im Untersuchungsansatz passierten kommunikativen Lücke Mängel zu erklären und Alternativen für "Landschafts­kommunikation" aufzubauen, führt meines Erachtens zu keinen neuen Handlungsoptionen. Die Anregung zu einer Ausstellung ist gut.

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Fachbeitrag 2013-03

Fachbeitrag

Wie weit kann Kulturlandschaft wachsen?
Landschaftskommunikation als Möglichkeit zur Konfliktanalyse und -lösung am Beispiel eines Landschaftsraumes im Unterallgäu

Harald Jungbold , Uta Steinhardt, Peter Guggenberger-Waibel 

Unsere Landschaften stehen unter Druck! Viele Menschen stellen an sie diverse Erwartungen und wirken mit unterschiedlichem Einfluss auf sie ein. Da Landschaft nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein sozialer und gesellschaftlich bedeutsamer Raum ist, wurde mittels Landschaftskommunikation als kulturwissenschaftlichem Ansatz zur Integration natur- und sozialwissenschaftlicher Phänomene mit konkretem Raumbezug folgenden Fragen nachgegangen: Wie kann eine gewachsene Kulturlandschaft den heutigen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden und welche Gestalt wird diese Kulturlandschaft in Zukunft haben? Dazu wurden im Landkreis Unterallgäu Gespräche mit zehn lokalen Akteuren geführt mit dem Ziel der Identifikation ihrer Erwartungen an die Landschaft und daraus resultierenden Konflikten gegenüber anderen Akteuren, Nutzungen oder gesetzlichen Vorgaben. Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass auch innerhalb des Untersuchungsraumes verschiedene Nutzungsinteressen einen starken Druck auf die Landschaft ausüben. Möglichkeiten zur Minimierung dieses Druckes eröffnen sich dann, wenn alle Akteure informiert sind und so ein Verständnis für die jeweiligen Positionen entwickeln und ein diesbezüglicher Austausch zustande kommt – Voraussetzung für gemeinschaftliches Agieren. Denn wie sich herausstellte, sind es oft Mängel in der kaum geführten oder gänzlich fehlenden Kommunikation, die zu Missverständnissen und den daraus resultierenden Konflikten führen. Im Ergebnis der Studie wird deutlich, dass vor allem die Vertreter des Natur- und Landschaftsschutzes aufgefordert sind, die "betroffenen" gesellschaftlichen Akteure zu informieren und Diskurse anzuregen, die das gegenseitige Verständnis fördern. Zur Unterstützung dieser Informationspolitik konnten abschließend drei alternative Handlungsempfehlungen zum weiteren Umgang mit den Ergebnissen dieser Untersuchung formuliert werden.

Stichworte: Landschaftswandel, kulturwissenschaftliche Perspektive, Akteursgruppen, Diskurse, Regionalentwicklung

How far can cultural landscape grow?
Landscape communication as a means for conflict analysis and solution – a case study from the Unterallgäu region in Germany
Our landscape is under considerable strain! Many people have different expectancies on our landscape and act with a different kind of influence on it. But landscape isn't just a ecological zone. It is also socially important. "Landscape-communication", as a method of cultural sciences, was used to integrate nature sciences and social sciences in the study, so that an interdisciplinary view is given. The following questions are the basics for the study: How can a grown (evoluted) cultural-landscape cope with the actual social expectancies and which way will it look like? Therefore ten stakeholders of the rural district "Unterallgäu" have been interviewed. The aim was to identify their landscape-expectancies and to find out reasons for the resulting conflicts between stakeholders, landuse or lawful guidelines. The conclusion of the study is, that the diverse landuseinterests impose pressure upon the landscape within the investigation area. But there are possibilities to minimize the pressure on the basis of communication as a requirement of collective action. There are often scarcities in communication between the stakeholders that cause misunderstandings and resulting conflicts. The study clarifies that especially the advocates of landscape conservation and nature conservation are in charge of informing the other stakeholders and to initiate a social discourse about landuse to boost the mutual understanding. Therefore three recommendations are developed to work on with the results of the study.

Keywords: landscape changes, cultural studies' perspective, groups of players, discourses, regional development

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Fachbeitrag 2013-02

Fachbeitrag

Raum-Zeit-Dynamik der sukzessiven Wiederbesiedlung nach großflächigem Waldbrand auf altpleistozänem Standort im Nordostdeutschen Tiefland

Falk Stähr

Der bedeutendste abiotische Schadfaktor für die Bestockungen auf den altpleistozänen Waldstandorten des Nordostdeutschen Tieflandes sind Brandereignisse. Gleichwohl liegen zum Verlauf der sekundären Sukzession nach Waldbrand auf nährstoffschwachen Wald­standorten kaum belastbare Untersuchungs­ergebnisse vor. Deshalb wurde im Jahre 2000 auf einer 31,05 ha großen vollständig abgebrannten Waldfläche ein bislang einzigartiges Untersuchungsobjekt eingerichtet. Schwerpunkt der Untersuchung war die Raum-Zeit-Struktur der Baumartenverjüngung. Die Beräumung von teilverbranntem Restholz und die Zäunung (Wildschutz) bildeten auf einigen Teilflächen zusätzliche Variationsfaktoren. Die Erhebungen erfolgten in den Jahren 2003 und 2008. Die sekundäre Sukzession verlief in zwei Phasen. In den ersten drei Jahren nach dem Brand-ereignis dominierte die Gemeine Birke (Betula pendula Roth). In der zweiten Phase nahm die Verjüngungsdynamik von Gemeiner Kiefer (Pinus sylvestris L.) und Aspe (Populus tremula L.) deutlich zu. Insgesamt verjüngten sich 10 Baumarten. Die Beräumung von Restholz führte zu einer deutlichen Erhöhung der Individuendichte in der sekundären Sukzession. Durch Wildeinwirkung wurden zum einen die Individuenzahlen der Baumarten erheblich verringert. Zum anderen erfolgte eine drastische und dauerhafte Reduzierung der Baumartenanzahl. Um über sukzessive Prozesse Waldstrukturen zu erhalten, deren Individuenzahlen wirtschaftszielorientierten Erwartungen weitgehend entsprechen, ist nach großflächigen Brandereignissen ein Verjüngungszeitraum von mindestens acht Jahren erforderlich.

Stichworte: Waldbrand, sekundäre Sukzession, Pionierbaumarten, Anpassungsfähigkeit, Baumartenkonkurrenz, Diasporen, Restholzberäumung, Wildeinfluss

Space-time dynamics of the gradual reforestation after a large-area forest fire on an old-pleistocene forest site in the Northeastern German Lowlands
Fire is the most significant abiotic factor damaging forest stands on old-pleistocene forest sites of the Northeast German lowlands. Nevertheless, hardly any significant research results concerning the course of secondary succession after forest fire on oligotroph forest sites are available. Therefore, an up to now unique subject of investigation for the succession of tree species was established on a totally burnt-down forest area of 31.05 ha in 2000. Investigations focused on the time-space structure of tree species regeneration. Additional variation factors were the removal of partially burned timber residues and fence protection against game influence on some sub-areas. In 2003 and 2008, evaluations concerning the almost uncontrolled successive development of vegetation were realised. The secondary succession occurred in two phases. In the first three years after the forest fire, birch (Betula pendula Roth) dominated (phase one). In the second phase, the regeneration dynamics of Scotch pine (Pinus sylvestris L.) and trembling poplar (Populus tremula L.) increased clearly. Overall, ten tree species have regenerated on the examined site. The clearance of the partially burned wood residues resulted in a significant increase in the density of individuals in the secondary succession. The game impact led firstly to a significant reduction in the numbers of individuals. Secondly, there was a drastic and permanent reduction in the number of tree species. Based on the observed numbers of individuals, economically oriented forest structures by secondary succession may reached after extensive fire events not earlier than after eight years.

Keywords: forest fire, secondary succession, pioneer tree species, adaptability, competition of tree species, diaspores, residual timber clearing, influence of game

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Fachbeitrag 2013-01

Fachbeitrag

Die Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina Ehrh.) unter Prozessschutzbedingungen

Susann Schröcker, Doreen Schmiedel, Matthias Schwabe

Daten zur Ausbreitung gebietsfremder Baumarten ohne menschliche Steuerung liegen nur selten in ausreichender Zahl vor, um zuverlässige Aussagen zu Ausbreitungsprozessen treffen zu können. Im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern) ergibt sich die Möglichkeit, Prunus serotina in ihrem Einnischungsprozess in einheimische Waldgesellschaften zu beobachten, da die Art dort nicht bekämpft wird. Ihre Ausbreitungsentwicklung von 1997 bis 2010 wurde genauer erfasst. Neben der Dokumentation der flächenhaften Verbreitung erfolgten Untersuchungen zur Verjüngungsetablierung in Abhängigkeit von Oberstand, Kronenschlussgrad und Standort der von Prunus serotina besiedelten Wälder. Die Ergebnisse zeigen eine Verdopplung der Ausbreitungsfläche von P. serotina, mit einem Schwerpunkt in Beständen aus Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) oder Lärche (Larix decidua) im Oberstand. P. serotina zeigt in der Verjüngungsphase ein den einheimischen Baumarten überlegenes Höhenwachstum und größere Dichten. Eine endozoochore Verbreitung der Diasporen, die Anpassung an Störungen sowie die Schattentoleranz der Verjüngung begünstigen eine zukünftig weitere Ausbreitung.

Stichworte: Neophyt, Invasionsbiologie, Nationalpark

The spreading of Black cherry (Prunus serotina Ehrh.) under conservation of process
Data documenting the spreading development of non-native tree species in the absence of any human control measures are scare. We analysed the establishment process of Prunus serotina in natural forest ecosystems within the National Park Müritz (Mecklenburg-West Pomerania) where no measurements of suppression are done against this tree species. We documented the spreading from 1997 to 2010 and analysed the establishment of the regeneration stage depending on overstorey, canopy closure and site conditions. The results show a duplication of areas with established P. serotina mainly in stands where Scots pine (Pinus sylvestris) and European larch (Larix decidua) form the overstorey. The regeneration stage of P. serotina outperforms native tree species in terms of plant density and plant height. The endozoochore seed dispersal, the optimal adaptation to disturbances and shade tolerance favours the further spreading of this species.

Keywords: non-native species, invasion biology, National Park

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